Teil eines Werkes 
1. Band (1863)
Entstehung
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forderten von Dir, das Andenken an eine Liebe zu verwiſchen, welche nunmehr eine unwürdige und be⸗ klagenswerthe Schwäche iſt. Was Du ſelbſt nicht gethan haſt, das werde ich thun.

Und damit trat die Aſſeſſorin das Gemälde unter ihre Füße.

Als es zerriß, ſtieß Helene einen durchdringenden Schrei aus, fuhr ſich mit den Händen nach dem Kopfe und umfaßte mit wahnſinniger Verzweiflung die Kniee ihrer Mutter.

Aber die Aſſeſſorin drängte ſie zurück und eilte aus dem Zimmer, denn Helenens Leid ſteigerte nur noch das ſchmerzliche Bewußtſeyn, daß ſie erſt die zweite Stelle in dem Herzen ihrer Tochter einnahm. Frau Trenner hätte gern, gleich Helene, ihrer Qual mit einem Angſtſchrei Luft gemacht, aber ihr verlezter Stolz geſtattete ihr das nicht.

Ueber dem zerſtörten Gemälde ausgeſtreckt, mit den Händen die Bruchſtücke deſſelben umſchließend, überließ ſich Helene dem wildeſten Schmerze. Es kam ihr vor, als wäre die ganze Menſchheit ausge⸗ ſtorben, und ſie wäre allein übrig geblieben, eine Beute der gräßlichſten Marter. Ihre Phantaſie, ihre Eraltation, Alles ſteigerte die Aufwallung der Ge⸗ fühle bis zu einer furchtbaren Höhe. Jezt, gerade jezt, in dieſem Augenblick hätte das junge Mädchen der ganzen beſchirmenden Zärklichkeit ihrer Mutter bedurft, aber ſtatt deſſen überließ ihre Mutter ſie ſich ſelbſt und ihrem geſteigerten Schmerze. Wie mißlich ein ſolches Spiel mit Helenens Gefühlen war, das ſah die Aſſeſſorin nicht ein. Während Helene wie irrſinnig die wärmſte