„Dank Dir, und Du wirſt niemals dieſes Ge⸗
lübde vergeſſen?“ flüſterte die Mutter und legte ihre
Hand auf das Haupt der Tochter.
„Niemals! bei Gott, niemals!“ ſtammelte Emy.
„Sollte der Höchſte Dich ſo hart prüfen, daß Du unglücklich in Deiner Ehe würdeſt,“— Ebba's Stimme zitterte—„ſo wiſſe, mein Kind, daß man erſt dann recht unglücklich wird, wenn man durch Abweichung von dem, was recht iſt, ſein Unglück verdient hat, wäh⸗ rend dagegen das Bewußtſein, unſere Pflichten gegen Gott, gegen unſern Näch⸗ ſten und uns ſelbſt getreulich erfüllt zu haben, uns die Kraft gewährt, mit Muth und Ergebung unſer Leid zu ertragen. Sollte die Liebe Deines Gatten ſich eines Tags Dir entziehen, ſo wiſſe, daß die Stärke des Wei⸗ bes die Liebe iſt, ihre ſicherſte Waffe die Ergebenheit, und ihr Troſt die Er⸗ füllung der Pflichten, welche die Vor⸗ ſehung ihr auferlegt. Der Tod wird leicht, wenn wir mit Ruhe auf ein reines und ſchuldloſes Leben zurückblicken können.“
Ebba ſchwieg und ſtreckte ihre Arme nach Emy aus, welche in Thränen gebadet an das Herz ſank, welches immerdar ſo warm und ſo liebevoll für ſie geſchlagen hatte. Gott hatte das Gebet des jungen Mädchens, an der Mutter Bruſt ſich ausweinen zu dürfen, erfüllt. Lange, lange Zeit hielten ſie ein⸗ ander umſchlungen; endlich aber flüſterte Ebba mit
einer Stimme, welche ihren vorigen Klang verloren
hatte:
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