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mich hören, denn ich fühle, daß der Tod mit ſchnel⸗ lem Schritte naht. Emy, willſt Du meine lezte Stunde mir leicht machen?“
Emy vermochte nicht zu antworten, ſondern neigte das Haupt und drückte ihre Lippen auf die Hand der Mutter; dann bezwang ſie mit Gewalt ihren Schmerz, um auf das Wort der Sterbenden zu hören.
„Du wirſt nun einſam durch das Leben wan⸗ dern; denn Deines Vaters lange Seereiſen werden Dich ſo gut vater⸗ wie mutterlos machen. Die Welt, mein Kind, welche Du jezt noch nicht kennſt, wird bald in ihrer ganzen wirklichen Geſtalt vor Dich treten; um Deinen Weg recht auszufinden, mußt Du Dich beſtreben, aller der Lehren, welche ich in Dein Herz pflanzen will, eingedenk zu bleiben. Für eine Frau, meine geliebte Emy, gibtes blos eine Stüze im Leben, welche niemals wankt; nur Eins, wozu Du alle Zeit Deine Zuflucht nehmen kannſt, mit der vollen Gewißheit, Troſt und Muth zu finden, und dieſes Einzige, mein Kind, iſt Gott und die Religion. Wenn Sorgen Dich heimſuchen, flüchte Dich zu ihm, und Du wirſt ge⸗ tröſtet werden. Wenn Augenblicke der Anfechtung kommen, flüchte Dich zu Gott, und denke im⸗ merdar, daß wenn auch kein menſchliches Auge Dich ſieht, dennoch das ſeinige auf Dich gerichtet iſt; bete zu ihm um Kraft zu redlicher Erfüllung Deiner Pflichten, und glaube niemals, daß es ein Grund für Dich iſt, die Deinigen zu, ver⸗ lezen, wenn Andere in ihrem Benehmen
gegen Dich über die ihrigen ſich hinweg⸗ ſezen. Wenn Du in Zweifel darüber geräthſt, wus


