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auf der See zugebracht und nur hin und wieder auf kurze Zeit an der Seite ſeiner Gattin ſich verweilt. Dieſe war eine in jeder Hinſicht reich begabte Frau, welche aus Neigung den Ehebund geſchloſſen hatte und den beinahe immerdar abweſenden Gatten mit derſelben ſchwärmeriſchen und hingebenden Zärt⸗ lichkeit liebte, welche ſonſt nur die erſten jugendlichen Gefühle auszuzeichnen pflegt. Ihrer Liebe war da⸗ rum ihre ganze poetiſche Friſche geblieben, während in Folge der langen Trennungen ſich eine ſehnſüch⸗ tige Wehmuth über ihre Seele verbreitet hatte. Begabt mit einem liebenden und warmen Her⸗ zen, trug ſie ihre Zärtlichkeit in verſchwenderiſchem Maaße auf ihre Tochter über und lebte faſt nur der Entwicklung ihrer Anlagen, welchen ſie eine edle und gute Richtung zu geben bemüht war. Mutter und ochter hatten ſich ſo innig, ſo feſt an einander an⸗ geſchloſſen, daß es keinen Gedanken, kein Gefühl gab, welches ſie nicht gegenſeitig austauſchten. In Emy's Seele tauchte niemals die Vorſtellung auf, daß ſie auf Erden noch Jemand ſo ſehr lieben könnte, wie ihre Mutter. Und nun, lieber Leſer, kehren wir zu den han⸗ delnden Perſonen zurück. Ein paar Stunden ſpäter finden wir ſie alle drei bei dem faſt prächtig angeordneten Abendmahle vereint. Freude und Glück ſind in ihrem Angeſichte zu leſen. Es war einer von jenen Augenblicken, wo der Menſch wünſchen möchte, daß die Zeit ſtill ſtände, damit er mit vollen Zügen den Moment der gegenwärtigen Glückſeligkeit genießen könnte. 5 Am tieſſten fühlte jedoch Ebba, des Kapitäns Schwartz, Blätter a. d. Frauenleben. I. 2


