220
Die Dunkelheit hatte nach und nach das Licht des Tages abgelöst, und in dem Walde, in welchem Jerome ſich jetzt befand, war es finſterer, als anderswo.
Der Wind ſeufzte in den Gipfeln der Bäuine, und die Vögel lockten ihre Jungen, heimzukehren in ihre friedlichen Wohnungen, bevor die Nacht einbrach.
Jede heftige Bewegung in unſerem Innern hinter⸗
läßt ein Gefühl der Schwermuth.
Jeder, ſelbſt der ſtärkſte und gefühlloſeſte Menſch⸗ iſt einmal in ſeinem Leben von einer ſolchen trüben Ermattung der Seele heimgeſucht und fühlt dann das unwiderſtehliche Bedürfniß irgend einen lieben Freund an ſeiner Seite zu haben.
Der Mangel an Liebe, Friede und Glück erfüllte in dieſem Augenblick die Bruſt Jeromes.
Das Getümmel des Kampfes und die Lockungen der Ehre hatten jetzt keinen Werth für ihn, und es kam ihm vor, als wären ſie nur leere und lüg⸗ neriſche Traumbilder, welche ihn vom Glücke wegriſſen.
Das Leben Jeromes war ſtürmiſch und unruhig geweſen, wie der Geiſt jener Zeit. Er hatte ſich von ſeinen Leidenſchaften beherrſchen aſſen.
Einmal hatte der Jüngling mit Leidenſchaft ein hochgebornes Weib geliebt, welches mit Verachtung auf ihn herabgeſehen und ſeine Liebe als eine Be⸗ leidigung betrachtet hatte.
Er hatte mit Leidenſchaft für die Freiheit ge⸗ ſchwärmt, aber dieſe in demſelben Augenblick ernie⸗
drigt, wo er ſie zu einem Mittel ſeiner perſönlichen
Rache machte.


