23 „Das iſt gewiß wahr,“ fiel Nathanael ein;„aber wie unterdrückt und verfolgt iſt nicht Israels Volk geweſen; wie geduldig hat es nicht durch Jahrhun⸗ derte das Joch der Unterdrückung getragen, ohne zu verſuchen zu ſtrafen, oder ſich zu rächen.“
„Wer weiß, mein Sohn, was die Kinder Js raels gethan haben würden, wenn ſie innerhalb der Gränzen ihrer väterlichen Erde verſammelt geweſen, ob
„Nein, Vater,“ fiel der kleine Elias ein,„Israels Kinder würden nie ſo Etwas gethan haben. Sie würden nicht gemordet haben, ſie würden ſich nicht vom Blut haben überſchwemmen laſſen. Es ſind nur Heiden, die ſo Etwas thun können.“
Alle blickten verwundert auf den Knaben, wel⸗ cher, nachdem er dies ausgeſprochen, wieder den Kopf in ſeinen Händen verbarg.
„Kind,“ ſprach der Vater mit ſtrenger, ernſter Stimme,„haſt Du vergeſſen, daß der Gott unſerer Väter es jedem rechtdenkenden Juden auferlegt, alle Menſchen unter allen Nationen, die des Himmels und der Erde Schöpfer verehren, wie ſeine Brüder zu lieben? Nun wohl, Flias, Deine Aeußerung athmete Hochmuth und bewies, daß Du das Volk, unter welchem Du lebſt, nicht richtig beurtheilen willſt. Nehme Dich in Acht, mein Junge, daß ſich keine Eigenliebe in Deine Seele einſchmuggelt, ſo daß Du glaubſt beſſer zu ſein, als Andere! Demuth vor dem Herrn ziemt ſich Israel.“
Elias verblieb unbeweglich, ohne durch ein ein ziges Zeichen zu erkennen zu geben, daß er das, was der Vater ſagte, verſtand, oder hörte.


