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dazu, eine leere und flüchtige Ehre in der literariſchen Welt zu gewinnen.— Wäre ihre Liebe ſchwächer als ihre Ruhmbegierde, dann———
Harald ſchwieg.
— Dann?
— Dann paßte ſie nicht für mich,— antwortete Harald;— denn die Liebe wäre dann nicht das vorwaltende Gefühl in ihrer Seele. Lieber wollte ich mein Leben lang meine entſchwundenen Träume beweinen, als es mit einer ſolchen Gattin dahin⸗ ſchleppen.
Es entſtand eine lange Pauſe. Calla unterbrach ſie mit den Worten:
— Dieſe Handlungsweiſe von Deiner Seite würde beweiſen, daß die Liebe bei Dir ſelbſt nicht das vorherrſchende Gefühl wäre.
— Kein Gefühl und keine Leidenſchaft in der Bruſt eines Menſchen darf ihn ſo beherrſchen oder ſo zügellos ſein, daß ſie die Stimme der Vernunft und das Ehrgefühl erſtickt. Mein Verſtand würde mir ſagen: Der Ruf Deiner Frau als geiſtreiche Dame kann Dir nicht den Verluſt des häuslichen Glückes erſetzen.— Mein Ehrgefühl würde mir ſa⸗ gen: Du beſitzeſt nicht die felbſtaufopfernde Natur, welche erforderlich iſt, um Deiner Frau ein glückli⸗ ches und angenehmes Leben zu bereiten, während Du Dich ſelbſt unzufrieden fühlſt. Deine eigene ungemüthliche Stimmung würde auf ſie zurückwirken, und Du würdeſt Dich nicht allein ſelbſt unzufrieden fühlen, ſondern auch ſie unglücklich machen. Jetzt, Calla, habe ich meine Meinung geſagt.—


