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welches Buonaparte an der Wiederherſtellung des oͤffentlichen Kultus nahm, aus rein ſelbſtfuͤchtigen Motiven hervorgehe; allein ſie hofften immer, daß Gott, der ſeinen Willen durch die ſelbſtiſchen Abſich⸗ ten der Menſchen durchfuͤhrt, jezt des erſten Kon⸗ ſuls ſich als Werkzeug bediente, einigen Sinn ſuͤr Re⸗ ligion wieder hervorzurufen, und ſahen im Geiſte voraus, daß die Religion, als die beſte Freundinn alles deſſen, was gut und ſegeunsreich in der Menſch⸗ hheit iſt, leicht mit der Zeit auch einen Sinn fuͤr vernuͤnftige Freiheit zuruͤckrufen und wieder beleben koͤnne. 1 Der revolutionaͤre Theil von Frankreich betrach⸗ tete das Conkordat mit ganz verſchiedenen Augen. Die chriſtliche Religion war wie den Juden und Griechen des Alterthums den Jakobinern ein Stein des Anſtoßes und eine Thorheit den Philoſophen. Es war ein Syſtem, das ſie mit gleich heftigem Ei⸗ fer wie die monarchiſchen Inſtitutionen angegriffen hatten, und in der Wiederaufrichtung des Altars ſahen ſie auch die des Thrones voraus. Buonaparte vertheidigte ſich bei den Philoſophen damit, daß er ſein Conkordat mit einer Art Pockenimpfung ver⸗ glich, um durch Einfuͤhrung einer unſchaͤdlicheren Form von Religion ihre voͤllige Vernichtung vorzu⸗ bereiten. Mittlerweile ſchritt er zu einer moͤglichſt feier⸗ lichen Erneuerung des alten Buͤndniſſes zwiſchen


