—
10
„Mit dieſem Pferde“ bemerkte der ſpruchreiche Arzt,„verhaͤlt es ſich gerade, wie mit dem menſchli⸗ chen Schickſale; denn waͤhrend das Thier in dieſem ungemein ſchnellen und leichten Schritte vorwaͤrts eilt, muß der Reiter gegen einen Sturz auf ſeiner Hut ſeyn, und wenn unſer Gluͤck die hoͤchſte Stufe erreicht hat, ſollte unſere Klugheit wachſam und vorſichtig ſeyn, um Ungluͤck zu verhindern.“
Dem überladenen Appetit eckelt auch vor der Hy⸗ nigſcheibe, und man darf ſich kaum wundern, daß der durch Ungluͤck und Erniedrigung gekraͤnkte und ermat⸗ tete Ritter endlich etwas ungeduldig daruͤber wurde, daß ſeine ungluͤckliche Lage bei jeder Gelegenheit zur Grundlage von Spruͤchwoͤrtern und Sinnſpruͤchen ge⸗ macpt wurde, ſo richtig und paſſend ſie auch ſeyn mochten.
„Ich glaube“, ſagte er ſehr verdrießlich,„ich be⸗ darf keiner weitern Erlaͤuterung der Unbeſtaͤndigkeit des Schickſals; gleichwohl aber wuͤrde ich Dir fuͤr die Wahl des mir angewieſenen Pferdes danken, wenn die Maͤhre nur einmal ſo kraͤftig ſtolpern wurde, daß ich und ſie den Hals braͤche.“
„Mein Bruder“, antwortete der arabiſche Weiſe mit unwandelbarem Ernſte,„Du ſprichſt wie einer von den Thörichten. Du ſagſt in Deinem Herzen, der Weiſe haͤtte einem, der ſein Gaſt iſt, das juͤngere und beſſere Pferd geben, und das aͤltere fuͤr ſich behalten ſollen; aber wiſſe, daß die Maͤngel des aͤlteren Pfer⸗
— ꝗ ͦꝗͦ—— ʒ—


