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Stirne und verbeugte ſich wie gewöhnlich, ehe er ſie dem Könige überlieferte. Die Schrift war auf franzöſiſch ver⸗ faßt, obzwar ihre Unterredung bisher vom Richard in der lingua franca geführt worden war. 4
„An Richard dem eerobernden, unüberwindlichen Konig von England, dieſes von dem niedrigſten ſeiner Sclaven. Geheimniſſe ſind das verſiegelte Schatzkäſtlein des Himmels, aber die Weisheit kann Mittel erdenken, das Schloß zu öffnen. Würde Euer Sclave dahin ge⸗ ſtellt, wo die Fübrer des Heeres in Ordnung bei Euch vorübergingen, ſo zweifelt nicht, daß wenn der, welcher das Verbrechen verübte, worüber ſich mein König be⸗ klagt, unter der Anzahl ſeyn ſollte, er unter ſeiner Larve entdeckt werden ſoll, und wäre er auch unter ſieben Schleier verborgen.“ 5
„Nun beim St. Georg! ¹I ſagte König Richard, „Du haſt ein Wort zur rechten Zeit geſprochen. Du weißt Neville, daß wenn wir morgen unſere Truppen muſtern, die Fürſten ihre Einwilligung dazu gegeben haben, daß die Heerführer bei unſerer neuen Standarte vorbeigehen ſollen, wenn ſie auf dem St. Georgen⸗ Berge weht, um ſie mie der gebührenden Achtung zu begrüßen, und die Beleidigung auszuſöhnen, welche England durch den Diebſtahl ſeines Paniers erlitten hat. Glaube mir, der geheime Verräther wird es nicht wagen, bei einer ſo feierlichen Reinigung zurückzublei⸗ ben, weil ſonſt ſeine Abweſenheit ſelbſt ihn verdächtig machen würde. Dort wollen wir unſen ſchwarzen Rathsmann hinſtellen, und kann ſeine Kunſt den Elen⸗ den entdecken, ſo iſt es meine Sache, fertig mit ihm zu werden.“
„Mein königlicher Herr,“ ſagte Neoille mit der Offenbeit eines engliſchen Freiherrn,„bedenkt wohl, was Ihr da anfangt. Die Einigkeit iſt unerwartet ſchnell in unſerem Bund wieder hergeſtellt worden— wollt Ihr auf einen Verdacht, den ein Neger⸗Sclave hegt, die Wunde wieder aufreißen, die erſt kürzlich
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