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Praͤlaten.— Wie ſollte ich ſtraucheln— wie ſollte ich Verſuchungen befuͤrchten?— Achl ich wurde Beichtvater einer Schweſterſchaft, und unter dieſer Schweſterſchaft fand ich die Langgeliebte, die Langverlorene. Erſpart mir weitere Bekenntniſſe!— Eine gefallene Nonne, deren Schuld durch Selbſtmord geraͤcht wurde, ſchlaͤft tief in Engaddi's Gewoͤlken, waͤhrend uͤber ihrem Grabe ein Geſchoͤpf wehklagt, ſeufzt und winſelt, dem nur ſo viele Vernunft gelaſſen iſt, als hinreicht, ihm ſein Schichal in ſeinem ganzen Umfange fuͤhlbar zu ma⸗ en.
„Ungluͤckſeliger Mann!“ ſagte Richard.„Ich wun⸗ dere mich nun nicht laͤnger über Dein Elend. Wie entgiengſt Du dem Verdammungsſpruche, den die Kir⸗ chengeſetze gegen dein Vergehen ausſprachen?“ 2
„Frage einen, der noch die Galle weltlicher Bit⸗ terkeit ſchmeckt,“ ſagte der Einſiedler,„und er wird von einem Leben ſprechen, das aus perſoͤnlichen Ruͤck⸗ ſichten und hoher Abkunft halber geſchont wurde. Al⸗ lein, Richard, ich ſage Dir, daß die Vorſicht mich erhalten hat, um mich als ein Licht und einen Leucht⸗ thurm zu erhoͤhen, deſſen Aſche, wenn dieſer irdiſche Brennzeug ausgebrannt iſt, noch in den Tophet ge⸗ worfen werden muß. So verwelkt und eingeſchrumpft dieſe armſelige Geſtalt iſt, ſo iſt ſie doch noch von zwei Geiſtern beſeelt— der eine iſt thaͤtig, ſchlau und durch⸗ dringend, um die Sache der Kirche von Jeruſalem zu vertheidigen— der andere aber niedrig verworfen, verzweifelnd und ſchwankend zwiſchen Tollheit und Elend; um uͤber meine eigene Armſeligkeit zu trauern; und heilige Requilien zu bewachen, auf die ich nicht einmal einen Blick werfen darf, ohne mich einer gro⸗ ßen Suͤnde ſchuldig zu machen. Bedaure mich nicht!— es iſt nur Suͤnde, den Untergang eines ſolchen We⸗ ſens zu bedauern.— Bedaure mich nicht, ſondern ziehe Nutzen aus meinem Beiſpiele. Du ſtehſt un⸗ ter den chriſtlichen Fuͤrſten auf der hoͤchſten, aber eben deßwegen auch auf der gefaͤhrlichſten Zinne. Dein Herz


