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Sie ſchwieg, wie es ſchien, aus Ehrfurcht; allein Sir Kenneth konnte hoͤren, daß ſie lebhaft aufgeregt war.
„Verzeihe mir,“„ſagte Berengaria; eine ſorg⸗ loſe, aber gutmuͤthige Prinzeſſin aus dem Kaiſerlichen Hauſe;„doch was iſt am Ende das große Vergehen? — Ein junger Ritter iſt hieher gelockt worden, hat ſich von ſeinem Poſten geſtohlen, oder iſt von ſeinem Poſten geſtohlen worden, den, einer ſchoͤnen Dame zu Gefallen, in ſeiner Abweſenheit niemand angreifen wird.— Denn, um Eurem Helden Gerechtigkeit wider⸗ fahren zu laſſen, Lady, die Weisheit des Nebectamus konnte ihn in keinem andern Namen, als in dem Eurigen hierher beſchwoͤren.“
„Gnaͤdiger Himmel! Koͤnnen Eure Maieſtäͤt ſo ſprechen?“ ſagte Edith mit einer Stimme, die noch groͤßere Unruhe ausdruͤckte, als ſie bisher an den Tag gelegt hatte;„Ihr koͤnnt nicht ſo ſprechen, ohne die Achtung fuͤr Eure und fuͤr meine Ehre, die Ehre ei⸗ ner Verwandten Eures Gemahls, zu verletzen— ſagt, daß Ihr mit mir geſcherzt habt, meine koͤnigliche Gebieterin, und verzeiht mir, daß ich nur einen Au⸗ genblick lang annehmen konnte, Ihr habet im Ernſte geſprochen.“
„Die Lady Edith,“ ſagte die Koͤnigin in einem mißvergnuͤgten Tone,„mißgoͤnnt uns den Ring, den wir von ihr gewonnen haben.— Wir wollen Euch, holdſeelige Couſine, das Pfand wieder zuſtellen, nur


