1²4 „tapferer Schotte, ich bin Dir einen Lohn ſchuldig,
und ich will Dir ihn reichlich bezahlen. Hier ſteht
Englands Banner, bewache es, wie ein junger Krie⸗
ger ſeine Rüſtung in der Nacht, ehe er zum Ritter
geſchlagen wird, weiche auf drei Speereslaͤngen nicht von ihm, und vertheidige es mit deinem Koͤrper ge⸗
gen Schimpf und Beſchaͤdigung— Blaſe in dein
Horn, wenn du von mehr, als drei Mann zugleich
angefallen wirſt. Uebernimmſt du dieſes Amt?“
„Sehr gerne,“ ſagte Kenneth,„und ich will mein Leben verwirkt haben, wenn ich ihm nicht ge⸗ treulich vorſtehe. Ich will nur meine Waffen anle⸗ gen, und werde ſogleich wieder zuruͤckkommen.“
Die Koͤnige von Frankreich und England nahmen hierauf foͤrmlich von einander Abſchied, und verbar⸗ gen unter einem Anſcheine von Höflichkeit die Be⸗ ſchwerden, die ſie gegen einander zu fuͤhren hatten— Richard gegen Philipp wegen der, ſeiner Meinung nach, zudringlichen Vermittlung zwiſchen ihm und dem Herzoge von Oeſterreich, und Philipp gegen Ri⸗ chard, wegen der unehrerbietigen Art, auf welche ſeine Vermittlung aufgenommen worden war. Diejenigen, welche dieſer Auftritt verſammelt hatte, entfernten ſich nun nach verſchiedenen Richtungen, und ließen den beſtrittenen Berg in der Einſamkeit hinter ſich, die bis zu der öͤſterreichiſchen Pralerey darauf ge⸗ herrſcht hatte. Die Leute beurtheilten die Ereigniſſe des Tages nach ihren verſchiedenen Geſinnungen.


