104 wehte, und legte die Hand an die Fahnenſtange, als wollte er ſie aus dem Boden reißen.
„Mein Herr, mein theurer Herr!“ rief Jonas Schwanker, ſeine Arme um den Herzog ſchlingend— nehmet Euch in Acht,— Loͤwen haben Zaͤhne.“
„ und die Adler haben Klauen,“ ſagte der Herzog, der noch immer die Fahnenſtange umfaßt hielt, allein noch unſchluͤſſig war, ob er ſie aus dem Boden reißen ſollte.
Der Spruchſprecher hatte ungeachtet ſeines Berufs doch manchmal Augenblicke, in denen er Beweiße von geſundem Verſtande gab. Er klingelte laut mit ſeinem Stabe, und Leopold kehrte ſich, wie aus Gewohnheit, nach ihm um.
„Der Adler iſt Koͤnig unter den Voͤgeln der Luft,“ ſagte der Spruchſprecher,„wie der Loͤwe unter den Thieren des Feldes— jeder hat ſein Herrſchge⸗ biet, das ſo weit von einander getrennt iſt, als Eng⸗ land von Deutſchland.— Beſchimpfe, edler Adler, den fuͤrſtlichen Loͤwen nicht, ſondern laßt eure Paniere friedlich nebeneinander wehen.“
Leopold zog die Hand von dem Bannerſpeere zu⸗ ruͤck, und ſah ſich nach Conradvon Montſerrat um, allein er erblickte ihn nicht; denn ſobald der Marquis den Unfug beginnen ſah, entfernte er ſich aus dem Ge⸗ draͤnge, und aͤußerte allererſt vor verſchiedenen unpar⸗ theiiſchen Perſonen ſein Bedauern daruͤber, daß der Erzherzog die Nachmittagsſtunden gewaͤhlt habe, um
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