Teil eines Werkes 
7. Band, Erzählungen von den Kreuzfahrern : 2. Erzählung, Der Talisman : 2. Theil (1826) Tales of the Crusaders. The Talisman
Entstehung
Einzelbild herunterladen

93 der Erzherzog nicht ohne Tapferkeit war, ſo ſtand er doch dem Loͤwenherz an jenem feurigen Muthe, der um die Gefahr, wie um eine Braut, wirbt, ſo ſehr nach, daß er bei dem Konige bald in eine gewiße Ver⸗ achtung gerieth. Auch verachtete Richard, als ein nor⸗ maͤnniſcher Fuͤrſt, den Hang des Deutſchen zu den Genuͤſſen der Tafel, und beſonders ſeine ungemeine Vorliebe fuͤr den Wein. Aus dieſen und andern per⸗ ſoͤnlichen Gruͤnden blickte der Koͤnig von England auf den oſterreichiſchen Fuͤrſten bald mit Gefuͤhlen der Verachtung, die er keineswegs zu verbergen oder zu mildern ſtrebte, und die deßwegen von dem argwoͤh⸗ niſchen Leopold bald bemerkt, und durch einen tiefen Haß erwiedert wurden. Die Zwietracht zwiſchen ih⸗ nen wurde durch die geheimen und politiſchen Kunſt⸗ griffe Philipps von Frankreich, eines der ſcharfſinnig⸗ ſten Monarchen ſeiner Zeit, angefacht. Dieſer Koͤnig fuͤrchtete den ſtolzen und anmaßenden Cha⸗ rakter Richards, den er als ſeinen natuͤrlichen Nebenbuhler betrachtete, und fuͤhlte ſich uͤberdieß durch die herriſche Art beleidigt, auf die er, ein Vaſall Frankreichs wegen ſeiner Beſitzungen auf dem Feſtlan⸗ de, ſich gegen ſeinen Lehnsherrn betrug. Er ſuchte daher ſeine eigne Parthei zu verſtaͤrken, und die des engliſchen Monarchen zu ſchwaͤchen, indem er die kreuz⸗ fahrenden Fuͤrſten von niederem Range aufforderte, ſich zu gemeinſchaftlichem Widerſtande gegen die uſur⸗ pirende Autoritaͤt des Koͤnigs von England, wie er