1⁰9 konier ſeinen Falken ruft, die gewoͤlbte Kapelle durch⸗ dringen. Es war ein Ton, der nicht fuͤr den Ort paßte, und den Ritter erinnerte, wie nothwendig es fuͤr ihn ſey, auf ſeiner Huth zu ſeyn. Er fuhr von ſeinem Knie auf, und legte die Hand an ſeinen Dolch. Ein knarrender Laut, wie von einer Schraube oder einem Kloben erfolgte; und ein aufwaͤrtsſtroͤmendes Licht, das von einer Oeffnung in dem Fußboden her⸗ zuruͤhren ſchien, zeigte, daß eine Fallthuͤre erhoben oder niedergelaſſen werden war. In weniger als ei⸗ ner Minute erhob ſich ein langer hagerer Arm, der theils nackt, theils in einen Aermel von rothem Sam⸗ met gehuͤllt war, aus der Oeſſnung eine Lampe ſo hoch empor haltend, als es ihm immer nur moͤglich war. Die Geſtalt, welcher der Arm gehoͤrte, ſtieg Tritt fuͤr Tritt bis zur gleichen Flaͤche mit dem Fußboden der Kapelle empor. Die Geſtalt und das Geſicht des We⸗ ſens, das ſo erſchien, zeigten einen ſchrecklichen Zwerg mit einem großen Kopfe, einer phantaſtiſch mit drei Pfauenfedern verzierten Muͤtze, und einem Gewande von rothem Sammet, deſſen Reichthum ſeine Haͤßlichkeit noch ſtaͤrker hervorhob. Seine Arme zierten goldene Armbaͤnder und ſeinen Leib umgab eine weiße ſeidene Schaͤrpe, in der er einen Dolch mit einem goldenen Hefte fuͤhrte. Dieſe ſonderbare Geſtalt hatte in ihrer linken Hand eine Art Beſen. Sobald ſie von der Oeffnung, aus der ſie ſich erhoben hatte, weggetreten war, ſiand ſie ſtill, und bewegte, als wollte ſie ſich
Teil eines Werkes
6. Band, Erzählungen von den Kreuzfahrern : 2. Erzählung, Der Talisman : 1. Theil (1826) Tales of the Crusaders. The Talisman
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