Teil eines Werkes 
3. Band (1873)
Entstehung
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Ja, Herr, das iſt wahr. Sie ſind mir ein guter Herr geweſen.

Nun alſo! Und doch willſt Du mich verlaſſen? Sage mir die Wahrheit, Friedrich! Weshalb?

Der Herr Geheimrath befehlen, daß ich die Wahr⸗ heit ſage?

Ich befehle es Dir.

Nun denn, Herr Geheimrath, dann bitte ich um Verzeihung; aber ich kann es nicht aushalten! Alle Bedienten verhöhnen und verſpotten mich, daß ich in Ihrem Dienſte bleibe; ſie ſagen, ganz Berlin ſchelte auf Sie und nennen Sie einen Menſchenſchinder und Mörder, und ſie erzählen ſich ſchreckliche Geſchichten von Ihnen, wie Sie die jungen Leute gehetzt und in das Gefängniß gebracht haben, um ſich beliebt bei den Herren Miniſtern zu machen und dem hochſeli⸗ gen König zu beweiſen, daß es lauter Rebellen gäbe, und daß Sie ein gar treuer und eifriger Diener wären. Ganz furchtbare Geſchichten erzählt man ſich von Ihnen. Seit der König die Amneſtie gegeben hat,

der neue König, ſagen ſie, wäre es nun aus mit

Ihnen, und jeder Menſch dürfe es jetzt zeigen, daß er Sie verachte; früher hätte man ſo etwas nicht ſagen dürfen, weil Sie mächtig waren und man dann von Ihnen in das Gefängniß gebracht worden wäre. Mühlbach, Proteſtantiſche Jeſuiten. III. 15