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auf uns mit Liebe. Jetzt ſind ſie von uns gegangen. Wohin? das iſt die große Frage, welche von Geſchlecht zu Geſchlecht die Menſchen beſchäftigt und auf welche weder die Gelehrten noch die Philoſophen eine genü⸗ gende Antwort geben können. Jeder ſtellt die Frage an ſich ſelbſt und Jeder muß ſie beantworten aus ſich ſelbſt heraus. Doch dünkt mich, es iſt ein ſchönes Wort:„Die Heimgegangenen.“ Und dem gläubigen Gemüth gibt es die Antwort auf die Frage: Wo ſind die
Geſtorbenen, die Heimgegangenen? Eben in der Heimat.
Doch wo iſt die Heimat für die Geſtorbenen? Der Eine ſucht ſie tief unten in Grabe, von wo keine Wiederkehr iſt und er ſagt: Die Geſtorbenen ſind heimgegangen zu dem ewigen Urquell alles Beſtehenden, zu der Natur. Aus Erde waren ſie gebildet und zur Erde ſind ſie zurückgekehrt, um Samen zu werden für neue Ge⸗ ſchlechter, zu neuem Entſtehen und neuem Vergehen. Der Andere ſucht ſich ſeine Heimgegangenen nicht unter der Erde und in der irdiſchen Gruft, ſondern er hebt den Blick empor zu dem blauen, urewigen Dome dort oben, welchen wir Menſchen in unſeren kindlichen Be⸗ griffen den Himmel nennen, und er ſagt und hofft: Dorthin ſind ſie gegangen, dorthin nach oben, wo Gott thront in urewiger Herrlichkeit. Und wieder Andere, die ſprechen und ſagen: Die Geſtorbenen ſind
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