Teil eines Werkes 
3. Band (1873)
Entstehung
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ein Wort zu. Marie eilte unhörbaren Schrittes zu dem Marmor⸗Notenpult und nahm aus demſelben ein großes Notenbuch hervor, das ſie, während der Baron weiter ſpielte, geräuſchlos auf dem Pulte des Flügels niederlegte und aufſchlug.

Er nickte mit einem freundlichen Lächeln der Tochter zu, und auf die Noten hinſchauend, begann er dann die einfache, edle Melodie des Pergoleſe'ſchen Duetts aus dem Stabat Mater zu ſpielen, vielfach die Melodien verſchränkend und im ſtrengen Fugenſatz ſie durcheinanderſchiebend, bis daß er dann wieder über⸗ ging zu dem einfachen Satze, wie Pergoleſe ihn ge⸗ ſchrieben.

Und nun hoben die Stimmen der beiden Frauen ſich empor, und mächtig und ſtark in vollen Accorden tönte von ihren Lippen das luxta crucem dolorosa. Herrlich klangen die beiden reinen und prächtig ge⸗ ſchulten Frauenſtimmen in dem weiten Raume wieder, und der Wind, welcher draußen ſich erhob und mit lautem Rauſchen durch die Bäume dahinzog, bildete ein wunderbar feierliches Accompagnement zu dem ſchö⸗ nen Geſange.

Als das Duett geendet war, wendete der Baron mit einem dankbaren Blicke ſich um zu den beiden Frauen und grüßte ſie mit einem ſanften Lächeln.