Teil eines Werkes 
1. Band (1873)
Entstehung
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ich habe meine Gelehrten oft darüber gefragt, was ſie darunter verſtehen. Ich frage Sie jetzt, mein theurer Schwager, Sie, welcher auch ſagt, es gebühre dem Volke mehr Freiheit: Sagen Sie mir doch, was iſt Frei eit? Ich habe dieſen Begriff nicht faſſen und ver⸗ ſtehen können. Was iſt Freiheit?

Und die großen tiefblauen Augen des ruſſiſchen Kaiſers richteten ſich mit einem ſeltſamen Ausdrucke, halb voll Spott und halb voll Sorge, auf das gut⸗ müthige, behäbige Angeſicht des Königs.

Allerdings iſt es ſchwer, den Begriff ſo in eini⸗ gen Worter zu erörtern. Was iſt Freiheit? ſagte der König ſinnend.Was iſt Freiheit? Nun, fuhr er dann raſcher fort,nun, ich glaube, es iſt das ungehinderte Recht, zu denken, und was man denkt, zu ſprechen und nach dem, wie man denkt und ſpricht, zu handeln.

Das hieße dann mit andern Worten, es ſolle keine Geſetze, keine Schranken mehr geben in der Welt, rief der Kaiſer, leiſe das Haupt neigend.Das Recht, ungehindert zu denken! Nun wohl, wer könnte das den Menſchen verkümmern? Aber ungehindert ſeine Gedan⸗ ken auszuſprechen, das hieße doch, einen Krieg Aller gegen Alle predigen. Und dann zuletzt das Recht, nach ſeinen Gedanken und ſeiner Redeweiſe auch zu handeln? Das hieße, alle Geſetze umſtoßen und den Bruderkampf