Teil eines Werkes 
1. Band (1873)
Entstehung
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ein Wunder geſchehen. Seht, dort kommt wieder Einer aus dem Palais heraus.

Es iſt der Kammerherr v. Schmettau. Wie traurig er ausſieht! Nein, es iſt keine Hoffnung mehr, keine Hoff⸗ nung. Es ſteht ſo geſchrieben in dem blaſſen, traurigen Angeſichte des Kammerherrn. Keine Hoffnung!

Und tiefere Stille trit ein in der Menge. Die Tauſende ſtehen und ſchauen zu dem Fenſter empor.Der König liegt im Sterben! Das hat der Kammerherr den Nächſtſtehenden gekündet; und ſie iſt da⸗ hingefahren, die ſchmerzliche Kunde, über den Häuptern all der Tauſende, und leiſe rauſcht es wie mit den Schwingen des Todesengels über ihren Häuptern: Der König liegt im Sterben.

Hier und dort hört man leiſe Gebete murmeln, hört leiſes Schluchzen. Es find alte Männer, welche ſo wei⸗ nen. Sie weinen um den König, mit dem ſie einſt in ſchö⸗ nen Tagen ausgezogen ſind, zu kämpfen für die Freiheit des Vaterlandes. Sie tragen ihre Wunden auf der Stirne, ſie haben gekämpft als Helden, und ſie weinen jetzt als Helden, die ihrer Thränen ſich nicht zu ſchämen haben um den, der mit ihnen gekämpft hat.

Auf einmal jetzt wird die tiefe Stille unterbrochen durch ein lautes donnerndes Geräuſch. Es iſt ein

Wagen, der die Linden herunterrollt.