Teil eines Werkes 
2. Band (1858)
Entstehung
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über, das alte und das junge Frankreich kämpften am Hofe Ludwigs XVIII. jetzt einen ſtündlichen, nie er⸗ mattenden Krieg, nur daß dabei das junge Frankreich, welches bis dahin immer gewohnt geweſen, zu ſiegen, alle Tage neue Niederlagen, neue Demüthigungen empfangen mußte. Denn das alte Frankreich war jetzt das ſiegreiche. Es ſiegte nicht durch ſeine Tapfer⸗ keit, ſeine Verdienſte, es ſiegte durch ſeine Vergangen⸗ heit, welche man jetzt unmittelbar an die Gegenwart anknüpfen wollte, ohne die Kluft zu bedenken, welche dazwiſchen lag.

König Ludwig hatte freilich allen ſeinen Unter⸗ thanen in dem Tractat vom 11. April zugeſagt, daß ihnen ihre Titel und Würden unbenommen bleiben ſollten, und die neuen Herzöge, Fürſten, Marſchälle, Grafen und Barone durften daher auch bei Hofe er⸗ ſcheinen, aber ſie ſpielten da nur eine traurige, de⸗ müthigende Rolle, und man ließ ſie es nur zu ſehr empfinden, daß ſie nur die Geduldeten, nicht die Willkommenen ſeien.

Die Herren, welche vor der Revolution berechtigt geweſen, in die Kutſchen des Königs zu ſteigen, be⸗ hielten dies Recht auch jetzt, und niemals öffneten ſich die Thüren dieſer Kutſchen den Herren vom neuen Napoleoniſchen Adel; die Damen des alten Frank⸗ reichs behielten ihr Tabouret ſo wie ihre große und ihre kleine Entrée in die Tuilerien und den Louvre, und man würde es ſehr anmaaßend gefunden haben, wenn die Herzoginnen des jungen Frankreichs gleiche Ehren hätten beanſpruchen wollen.

Die Herzogin von Angoulème war es, welche den Damen des Faubourg St. Germain in der Unduld⸗ ſamkeit und dem hochmüthigen Abweiſen und Negiren des vergangenen Kaiſerreichs als maaßgebendes Bei⸗ ſpiel voran ging. Sie war am unerbittlichſten gegen