— 326—
laſſen! Ihr aber, Ihr ſeid immer ruhig, immer klug und witzig! Ihr müßt daher ſtatt meiner dieſen Brief an den König ſchreiben! Ihr müßt ihm mit der hin⸗ reißendſten Beredſamkeit meine Liebe, meine grenzenloſe Hingebung und Treue ſchildern.
Oh, Madane, dies wird mir nicht gelingen, rief Francoiſe ſchwermuthsvoll. Ich verſtehe nicht ſolche Briefe zu ſchreiben!
Wie, Ihr verſteht keinen Liebesbrief zu ſchreiben?
Nein, ich habe viele bekommen, aber ich habe nie⸗ mals einen Liebesbrief geſchrieben!
Mein Gott, Ihr habt alſo niemals geliebt?
Nein, niemals! ſagte Frangoiſe traurig. Das iſt ohne Zweifel ein Unglück, aber es hat nicht in meiner Macht geſtanden, glücklich zu ſein!
Nun, ſo ſollt Ihr es heute mindeſtens durch Eure Phantaſie ſein! rief Athenais lachend. Denn ohne Zweifel wird Euch Eure Phantaſie begeiſtern! Be⸗ denkt, Ihr ſchreibt heute Euren erſten Liebesbrief, und Ihr ſchreibt ihn an den König!
Aber ich ſchreibe ihn für eine Andere! ſeufzte Francoiſe unwillkührlich.


