— 302— So hört mich an! Morgen werde ich Euch zur Marquiſe Montespan führen!
Zu der Geliebten des Königs, zu dieſem liſtigen Weibe, welches die arme La Vallière verdrängt?
Ihr ſollt Luiſe La Vallière und die Tugend rächen, indem Ihr Eurerſeits die Montespan verdrängt! Und wie könnt Ihr dies anders, als indem Ihr dieſer ehe⸗ brecheriſchen Marquiſe nahe ſeid!
Und Ihr fordert, daß ich in Ihrer von Laſter und Ehebruch verpeſteten Nähe bleibe?
Wie ſolltet Ihr ſonſt Gelegenheit finden den König oft zu ſehen? Seine Neugierde zu reizen, ſein Herz zu entflammen? Ah, ich leſe in Euren hellen Blicken, daß Ihr mich ganz verſtanden habt, Francoiſe! Ihr werdet in Allem das Gegentheil der lockern und coquetten Da⸗ men dieſes Hofes ſein, Ihr werdet den König fliehen, ſtatt ihn zu ſuchen, Ihr werdet von Eurer Tugend re⸗ den machen, wie jene von ihren Laſtern! Man kennt Eure Sittſamkeit und Tugend, und grade um dieſer ſeltenen Eigenſchaften willen iſt es, daß die Marquiſe Montespan Eurer begehrt! Sie will ihre eigene Sünde vergeſſen machen, indem ſie die Tugend an ſich feſſelt, und indem ſie die ehrbarſte, keuſcheſte und geiſtvollſte


