— 264— nicht, ſo meint Ovidius auch, es ſei viel köſtlicher und ſchöner ein altes Weib zu lieben, als ein junges Mäd⸗ chen! Ich muß doch einmal dieſe Stelle nachſchlagen. Wo habe ich denn gleich dieſes Ovidius treffliche Ars amandi hingelegt! Ich las doch geſtern nach dem Abend⸗ ſegen noch darin!
Und der Papſt erhob ſich von ſeinem Lehnſeſſel und ſuchte unter den Büchern, die auf ſeinem großen Arbeitstiſche lagen, nach ſeinem Lieblingsautor, dem Publius Ovidius Naſo.
Ha, ha, ſagte er endlich laut lachend, und hob ein kleines Buch empor, deſſen Umſchlag auf ſchwarzem Sammet ein goldenes Kreuz zeigte, ha, ha, das iſt in der That zum Lachen! Der dumme Luigi hat dieſen götllichen Ovid für ein Gebetbuch gehalten, und ihn in dieſen heiligen Deckel hineingeſchoben. Ah, die Ars amandi als Gebetbuch zu betrachten, das Kaiſt ein köſt⸗ licher Einfall!
Und nachdem der Papſt die bezügliche Stelle nach⸗ geſchlagen, und ſich überzeugt hatte, daß Bran⸗ tome wirklich ganz übereinſtimme mit der erhabenen Anſicht des Ovid, nahm er Erſteren wieder zur Hand, und las emſig weiter.


