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Der Majoratsherr / von Theodor Mügge
Entstehung
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er ſo platt, dünn und lang, wie aus zwei Strichen zuſammengeſetzt; und ſeltſamer Weiſe ging die Weis⸗ heit der Vorſehung ſelbſt darauf ein, indem ſie ihm den Namen Winkel zugetheilt hatte.

Der Secretär Winkel kannte alle Angelegenheiten ſeines Herrn aufs genaueſte. Er war eingeweiht in jede Affaire des Grafen, ſchrieb eine ausgezeichnete Hand, rechnete mit wunderbarer Sicherheit und Ge ſchwindigkeit, führte die Bücher mit äußerſter Genauig⸗ keit, war rechtskundig und welterfahren, beſorgte den ſchriftlichen Verkehr im weiteſten Umfange und hatte in allen geſchäftlichen Dingen ein zuverläſſiges Urtheil. Er war daher bei dem Grafen, was man die rechte Hand nennt. Es geſchah nichts ohne Winkel. Un⸗ ermüdlich fleißig, war er immer auf dem Platze, bei Tag und Nacht zu Sr. Excellenz Befehl, und immer in derſelben ſchiefen, gebückten Stellung, immer mit derſelben unterthänigen Ernſthaftigkeit, immer mit dem klugen, durchdringenden Blicke ausgerüſtet, der an der Lippenbewegung des Herrn hing und beim erſten Worte wußte, was jener wollte.

Deer Seccretär Winkel war ſeit dreißig Jahren im Dienſte des Grafen und ſo alt wie dieſer, alſo dicht an ſeinem fünfzigſten Geburtstage; aber er hatte ſich