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Der Majoratsherr / von Theodor Mügge
Entstehung
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Was ſeid ihr Deutſchen für ein ſonderbares Volk! ſagte Rodney. Zu Haus, wie auf der Reiſe, findet ſich an jeder Ecke irgend ein Ding, bei dem ihr ſtill ſtehen, es betrachten, begrüßen und, wenn es irgend angeht, mit ihm reden müßt. Iſt es kein Fürſt, Graf oder Freund, ſo iſt es der Freund eines Kutſchers, und wenn von Heirathen geſprochen wird, ſo verwan delt ſich jeder Schloſſermeiſter in den leibhaftigen Sohn der cypriſchen Göttin.

Dieſer da, erwiderte Aurel lachend, hat in ſeinem trockenen, mageren Geſichte zwar ſehr wenige Ähnlich⸗ keit mit dem verführeriſchen Schirmherrn der Liebe, aber es iſt ein wackerer Geſell, der mich gut kennt, und obenein mein Milchbruder.

Was iſt das für ein Dornenſtück deutſchen Lebens? fragte Rodney gähnend.

Der Sohn meiner Amme, der ſeiner Mutter Milch entbehren mußte, damit ich das genöſſe, was natur gemäß ihm beſtimmt war.

Und für dieſen Raub ſind Sie ihm Dankbarkeit ſchuldig?

Ach, er iſt glücklicher als ich! ſagte Graf Aurel. Er braucht mich nicht. Er hat gelernt, was ihn nährt; er ſagt mit Stolz, daß es ihm wohl gehe. Er hat