Jahrgang 
2
Einzelbild herunterladen

802

diener, Schloßknechte, Trabanten, Kammerhuſaren und Wachtmeiſter rüttelten an der Thür, die nach dem Schlafzimmer des Königs führte, und ſprengten dieſe auf, da ſie verriegelt war. Sie hatten das Ge⸗ ſchrei des Königs gehört und waren durch den Corridor hereingedrun⸗ gen, mit Säbeln, Knütteln und Ofengabeln bewaffnet.

Alle Offiziere zogen ihre Degen und General Adlercreutz trat dieſen Eindringlingen kühn entgegen. Was wollt ihr hier! ſchrie er ſie an. Dem König iſt nichts geſchehen. Se. Majeſtät iſt krank. Hinaus mit euch! Hinaus auf der Stelle!

Dies ſagte der beim Könige beliebte, überall in hohem Anſehen ſtehende Generaladjutant, und der König ſchwieg dazu. Er ließ ſeine Vertheidiger ſich entfernen, ohne einen einzigen Hilfsſchrei zu thun. Hätte er ihn gethan, ſich losgeriſſen, ſich zu dieſen armen ergebenen Dienern geflüchtet, ſie würden ihn mit ihrem Leben vertheidigt haben und ohne Zweifel konnte die Trabantengarde im oberen Saale dann ſchnell ihnen zu Hilfe kommenz; allein Guſtav Adolf ließ dieſe Treuen ſich entfernen, ohne den geringſten Verſuch zu machen, den Verſchwo⸗ renen zu entkommen. Man hat ihm ſpäter daraus den Vorwurf gro⸗ ßer Feigheit gemacht. Er war von verzweifelten Menſchen umringt, deren Degen entblößt waren, welche jetzt entweder ihren Plan aus⸗ führen, oder auf den ſchimpflichſten Tod gefaßt ſein mußten. Er mochte in ihren Mienen leſen, daß ſie zu jeder That, ſelbſt zum Morde, entſchloſſen ſeien, und in Wahrheit konnte ein ſolcher allein ſie noch retten; aber ein kühner Mann würde es dennoch gewagt haben. Guſtav Adolf wagte es nicht, ſein perſönlicher Muth war nie⸗ mals groß geweſen.

Kaum hatte dieſer Dienertroß ſich ſcheu zurückgezogen, als Adler⸗ creutz in das Vorzimmer eilte, an deſſen Thür der Ceremonienmeiſter, Oberſt Mellin, wie eine Bildſäule ſtarr vor Schrecken und Beſtürzung ſtand. Hinaus konnte Niemand, die Thür nach der Treppe wurde von Offizieren, die blanken Waffen in ihren Händen, bewacht. Adlercreutz ſtürzte ſich wie ein Tiger auf Mellin und faßte deſſen ſchwarzen Amtsſtab. Gib her den Stock! ſchrie er ihm zu.

Der König hat ihn mir gegeben, nur mit meinem Leben will ich ihn laſſen! antwortete der Oberſt.