Jahrgang 
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ſehe meine lieben Kinder, meinen Arel, meine Margareth, wie ſie um dieſen Tiſch ſprangen voll Luſt und Glück, wenn die hellen Lichter brannten, und wie würden ſie ſich freuen, gute Karin, wenn ſie alle die ſchönen Sachen ſähen, wenn ſie jubelnd damit durch dies Zimmer tanzen könnten, wie ſie es ſo oft gethan haben.

Ach, Herr, es iſt Alles vorbei, Alles! ſeufzte die Magd.

JZegliches hat ſeine Zeit, Karin, ſagte der Greis und ſeine Stimme aufhebend ſprach er mit Salomonis Worten: Geboren werden und ſterben, pflanzen und ausrotten, tödten und heilen, bauen und ein- reißen, weinen, lachen, klagen, tanzen, Steine ſammeln und Steine ſtreuen, Herzen fernen von Herzen; ſuchen, verlieren, behalten, weg⸗ werfen, ſchweigen und reden, zerreißen und zunähen, lieben und haſſen, Streit und Frieden, Alles, Alles hat ſeine Zeit! Aber wo ein Menſchenherz iſt, gute Karin, das voll von Liebe und Güte war, das lebt von ſeiner Liebe bis in Ewigkeit; das lebt von den Erinnerungen ſeines Glückes und fürchtet keinen Schmerz und kein Scheiden.

Freude iſt in mir, denn ich weiß ja, daß meine Lieben ſich freuen und bei mir ſind ihre ſeligen Geiſter. Ich ſehe ſie, wie ſie lächelnd mich anſchauen und wenn ich ſchlafe, flüſtern ſie mir zu: es iſt Alles recht, was du thuſt. Morgen werden die armen Inſelleute kommen und ihre Kinder werden kommen. Ich werde ihnen viele Freude be⸗ reiten, denn ich werde ſie mit dem beſchenken, was ich einkaufte und

meinen lieben Kindern geſchenkt hätte. In ihrem Namen theile ich

meine Gaben aus und nächtlich ſteigen ſie dann vom Himmel und freuen ſich mit mir.

Ach! ſagte die alte Frau, das ganze Jahr über ſparſt du, Herr, und darbſt in deinen alten Tagen, um am Chriſtfeſt uns Alle zu beſchenken..

Mich beſchenke ich, Karin, mich ſelbſt, fiel Arel Jönsſon freudig ein. Ich hole den alten dürren Baum dann hervor und was fällt mir Alles bei ſeinem Anblick ein! Ich ſehe ihn wieder grün und friſch, wie er war, und ſehe mich in meiner Kraft und Jugend. Wie viele ſchöne herrliche Erinnerungen kommen dabei in mein Gedächtniß, wie viele Stimmen reden zu mir mit Engelszungen. Bin ich denn nicht glücklich, meine arme Freundin? Iſt es nicht ein großes wunder⸗