Jahrgang 
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riſſen vor ihm lagen. Ob Serbinoff ihn betrogen hatte, ob er um dieſe verrätheriſche Schurkerei wußte, wagte er nicht zu entſcheiden.

Seine verehrende Liebe für den Mann, den er ſo lange als ein herr⸗

liches Gottesgebild angeſtaunt und feſt darauf vertraut hatte, ſträubte ſich mit Heftigkeit, Falſches und Schlechtes von ihm zu glauben. Sein finniſches Mißtrauen zerſtäubte an dem edlen Eifer, mit dem ſein Herz den Freund vertheidigte; er hätte noch an ihm feſtgehalten, wären ihm auch beſſere Beweiſe dafür geworden, daß er betrogen ſei⸗ Serbinoff theilte, wie er meinte, ſein eigenes Schickſal. Er hatte ge⸗ hofft und geglaubt wie er ſelbſt. Seine Freiheitsliebe, ſeine kühnen Gedanken, ſeine Erwartungen auf die Zukunft der Menſchheit, ſein ſtolzer Glaube an Recht und Gerechtigkeit konnten keine Heucheleien ſein. Was diejenigen wollten, die das Heft in Händen hielten, die Lenker und Leiter ſeines Vaterlandes, daran hatte er ſicher keinen Theil, und faſt that es ihm leid, daß er dem treuen Alexei nicht Alles geſtanden, was er erfahren, daß er ihn nicht zum Mitwiſſer ſeines Geheimniſſes und zum Rathgeber gemacht hatte. Jetzt war es zu ſpät, doch er zweifelte nicht, daß Serbinoff denſelben Abſcheu, den⸗ ſelben Zorn empfunden haben würde, ja, daß er ihm beigeſtimmt, nach ſolchen Entdeckungen den Weg zu gehen, auf welchem er ſich jetzt befand. Aber o! welch ein Weg war das! Was wollte er thun? Zum Schwedenkönige nach Stockholm fahren, ihm ſagen: Dein tapferſter, kühnſter General, deine und Schwedens erſte Stütze, er hat dich verrathen, wie Judas ſeinen Herrn verrieth, doch um beſſeren Preis! Otho Waimon war verſtändig genug, um trotz ſeines heißen Blutes einzuſehen, wie gefährlich ſein Unterfangen ſei und wie zweifel⸗ haft der Erfolg. Welche Beweiſe brachte er denn mit? Wer war er, der den hochverehrteſten Mann im ganzen Lande eines der ärgſten aller Verbrechen, des Verraths am Vaterlande, anklagen durfte? Wenn es ihm gelang, ſelbſt bis in das Königsſchloß, ja bis an des Königs Ohr zu dringen, welchen Glauben ſollte er dort finden und welcher Lohn erwartete ihn? Doch, was auch geſchehen mochte, er war entſchloſſen dazu, entſchloſſen trotz ſeiner innerſten Abneigung gegen Finnlands Beherrſcher und trotz der Gewißheit, daß ſes damit für immer mit ſeinen eigenen Hoffnungen und Entwürfen vorbei ſei.