Jahrgang 
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Sie hatte einen fröhlichen Tag verlebt ohne ſich um andre Dinge, als um ihr vergnügliches Beiſammenſein zu kümmern. Das Wetter blieb ſchön und hell, nur wurde der Wind mit der Abendnähe ſchwach und trieb das flinke Boot langſam noch vorwärts, während die Sonnen⸗ kugel rothfunkelnd ihre Bahn beſchleunigte, die See mit ihrer Gluth übergoß und den unermeßlichen Halbkreis dunkelnder Küſten und Kuppen in Gold und Feuer tauchte. Der kleine Lugger glitt noch eine Zeit lang näher an die äußerſten Vorpoſten dieſer nackten und verworrenen Maſſen, welche, aus dem Schooße des Meeres aufſteigend, ihre rothen Arme und Köpfe in den glänzenden Himmel ſtreckten und den Schiffern zu winken ſchienen, dann aber fielen ſeine hohen lateiniſchen Segel zuſammen, die Raaen ſchwankten an den Maſten und das Fahrzeug taumelte nach rechts und links, ohne ſich weiter vorwärts zu bewegen.

Am Bord befanden ſich drei junge Herren und eine ſchöne junge Dame, welche gemeinſam eine Luſtreiſe nach Abo und weiter in's finniſche Land machen wollten. Der älteſte der Herren war der Baron Arwed Bungen, die Dame ſeine Schweſter Ebba. Ihr Vetter, Guſtav Lindſtröm, Lieutenant in der königlichen Marine, hatte den Lugger und die Mannſchaft geſtellt; der vierte endlich war ein ruſſiſcher Graf, Alexei Serbinoff, welcher ſeit längerer Zeit in Stockholm verweilte und durch den ruſſiſchen Geſandten Alopäus mehreren edlen ſchwedi ſchen Familien befreundet wurde. Mit dem Baron Bungen ſtand er im innigen Verhältniß und da er zugleich als ein feuriger Verehrer des ſchönen Fräuleins galt, mochte er um ſo lieber die Einladung an⸗ genommen haben, beide Geſchwiſter nach Finnland zu begleiten, zu einem Edelmann und Verwandten, der lange ſchon dieſen Beſuch erwartete.

Als das Boot nicht weiter vorwärts wollte, befanden ſich die drei Herren auf dem ſchmalen Hinterdeck, wo ſie unter Scherz und Ge⸗ lächter den Lehnſtuhl der jungen Dame umringten. Die Diener, welche ſie auf die Reiſe mitgenommen, waren zwei Tage zuvor mit dem Marktſchiff nach Abo gefahren und ſollten dort ihre Herrſchaften anmelden. Die Herren hatten es übernommen, die Dame zu be⸗ ſchützen, zu bedienen und zu unterhalten, und da man am Abend wenigſtens in Satingo oder in einem andern guten Hafenplatz zu

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