Erſtes Kapitel.
An einem ſchönen Septembertage des Jahres 1807 ſegelte ein kleiner Lugger, der aus den Scheren von Stockholm kam, über den Bottniſchen Meerbuſen und näherte ſich, als es Abend werden wollte, dem weit zerſtreuten Gewirr größerer und kleiner Eilande und Fels⸗ klippen, welche unter dem Namen„Aland⸗Inſeln“ bekannt ſind. Da⸗ mals war eine bewegte Zeit auf Land und Meer. Die ſchwediſche Hauptſtadt lag voll Soldaten, welche nach Süden und Weſten zogen, denn klägliche Nachrichten waren aus Pommern eingelaufen. Stral⸗ ſund war von den Franzoſen erobert, der Feldmarſchall Toll hatte auch Rügen an den Marſchall Brune übergeben müſſen, die ganze ſchwediſch⸗deutſche Provinz befand ſich ſomit in den Händen der Fran⸗ zoſen und zahlloſe Gerüchte liefen umher, daß dieſe ſiegreichen Feinde ſchon dabei ſeien, die däniſchen Inſeln zu beſetzen, Kopenhagen von den Engländern zu befreien und dann in Schweden einzudringen.— Der König Guſtav Adolph der Vierte war krank vor Zorn und Aerger aus Rügen zurückgekehrt und lag in Karlskrona danieder, was aber mehr Gelächter und Spott als Theilnahme in Stockholm bewirkte. Eben war auch die Nachricht eingetroffen, daß Kopenhagen ſammt der Flotte von den Engländern erobert worden ſei und obwohl man dies Schickſal den Dänen aus alter Erbfeindſchaft von Herzen gönnte, ſtimmten doch viele in das Geſchrei über die engliſche unerhörte Ge⸗ waltthat und Schandthat, das bald in ganz Europa wiedechallte.— Die Geſellſchaft jedoch, welche in dem kleinen Lugger der finniſchen Küſte entgegenfuhr, ließ ſich von aller dieſer Trübſal nich anfechten.
D. B. IX. Erich Randal, v. Th. Mügge.


