— 123—
Man ſah wie während der Abfaſſung des Schriftſtückes die Kräfte des Kranken ſichtlich abnahmen. Nur ſeine ungewöhnliche Willenskraft hatte ihn noch aufrecht erhalten. Durch dieſe gelang es ihm auch die aufgeſetzte Erklärung mit feſter Hand zu unterſchreiben. Dann aber ſank er zuſammen.
Mit matter Stimme ſagte er zu Harald, der weinend und ſchluchzend an ſeinem Bette ſaß:„Gib das Papier deinem Vater und laß ihn daſſelbe nebſt meinem Todes⸗ ſchein, den dir der Capitän ausſtellen wird, den Gerichten übergeben, daß ſie das Urtheil gegen deinen Großvater aufheben und die Wahrheit der Welt bekannt wird.
Deinen Vater grüße und bitte ihn um Verzeihung und ſage ihm, Gott hätte mich begnadigt, daß ich ihm für den Vater, den ich ihm genommen den Sohn zurückſchicken könne“.
Harald konnte vor Schluchzen nicht antworten. Aber auch die andern Männer, die am Bette ſtanden, waren tief ergriffen und ſchämten ſich der Thränen nicht, die ihnen über die Wangen rollten.
Hans Egede oder Graf Seebach murmelte noch einige Gebete für ſich. Er war im Sterben. Dann winkte er Harald.
„Grüße meinen Vater!“ ſagte er, den alten Grafen Seebach, erzähle ihm Alles und ſage ihm:„Sein Sohn ließe ihn um Vergebung bitten! Nun lebe wohl, lieber Harald! Ehre Vater und Mutter, auf daß es dir wohl gehe und du lange lebeſt auf Erden“.


