Druckschrift 
Im Eise : eine grönländische Geschichte : der Jugend und dem Volke erzählt / von Ottokar Schupp
Entstehung
Einzelbild herunterladen

— 96—

vorgeſtellt. Man hofft ja ſo gern und tröſtet ſich mit eingebildeten Hoffnungen.

Sie hatte geglaubt, die Gefahr ſei mit der Krankheit vorüber und die Schwäche ihres Mannes würde mit der

raſch fortſchreitenden Geneſung verſchwinden. Jetzt war

es ſo ganz anders, ſo troſtlos, ſo hoffnungslos.

Herr Lymann drückte ein Kummer anderer Art. Nach einem furchtbaren Huſtenanfalle ſank er, die bleiche Stirn mit perlendem Schweiß bedeckt, matt und müde zurück in ſein Kiſſen und ſagte leiſe:„Es wird dann das Beſte ſein, wenn mich Gott bald heimholt. Nach Deutſchland kann ich nicht mehr zurückkehren.“

Frau Lymann blickte ſtarr vor Schrecken ihren Gatten an:„Du willſt nicht dem Rath des Arztes folgen? Du willſt ſterben und mich armes Geſchöpf ohne Troſt, ohne Hilfe in dieſer Welt voll Eis und Schnee zurücklaſſen?

O Gott das kannſt, das darfſt Du nicht.“

„Haſt Du ganz vergeſſen, liebes Weibchen, warum wir vor Jahren unſere Heimath verlaſſen haben, um hier in Grönland zu landen? Ich wäre wahrſcheinlich nie Miſ⸗ ſionar geworden, ein ſo großes Verlangen ich auch immer verſpürte, den armen Heiden das Evangelium zu predigen. Unſere Verhältniſſe waren zu angenehm und meine Wirk⸗ ſamkeit in meiner mir anvertrauten Gemeinde eine zu geſegnete.

Es war ja doch allein die furchtbare Schmach, die ſo unverdient und ſchrecklich über unſeren Namen kam, die