Druckschrift 
Im Eise : eine grönländische Geschichte : der Jugend und dem Volke erzählt / von Ottokar Schupp
Entstehung
Einzelbild herunterladen

— 30—

Ihr, Utokak“, ſagte er,„daß wir unſeren Kranken und Euren Enkel den kleinen Krüppel auf unſerer Flucht mit⸗ nehmen können? Beſinnet Euch!“„Nein“, erwiederte der alte Grönländer kurz entſchloſſen,„Die müſſen zurück⸗ bleiben. Wir können froh ſein, wenn wir anderen Geſunden in dieſer Einöde von Schnee und Eis bei Nacht und Sturm irgend eine Zufluchtsſtätte auftreiben.“

„Pfui ſchämet Euch, Alter!“ ſagte höchſt empört Hans Egede.„Um die paar Tage, die Ihr vielleicht noch zu leben habt, zu retten, wollet Ihr ſolche Schmach auf Euch laden. Das Chriſtenthum iſt auch bei Euch nur in der Haut ſtecken geblieben, Ihr ſeid nichts als ein aber⸗ gläubiſcher, heidniſcher, feiger Hund“.

Da fing in der Tiefe das Eis wieder an zu bohren, und zu knirſchen.„Höret ihr nun ſelber die Geiſter? Sie geben Euch Antwort an meiner Statt,“ meinte Utokak. „Kommen Sie, lieber Herr, retten Sie ſich.“

Er faßte Hans Egede am Arm, aber dieſer ſtieß ihn entrüſtet zurück.

Der Lärm in der Tiefe ward aber immer toller, ſo daß Egede erbleichte und Utokak entfloh und Harald ängſt⸗ lich nach ſeinem Freunde rief.

„Ach verlaſſen Sie mich nicht“, bat er den Arm um Hans Egedes Hals ſchlingend.„Nehmen Sie mich mit hinauf. Ich bin ſchwächer, als ich glaubte. Mir iſt gar zu bang.“

„Ja es wird ſo am beſten ſein,“ meinte Hans Egede