Druckschrift 
Im Eise : eine grönländische Geschichte : der Jugend und dem Volke erzählt / von Ottokar Schupp
Entstehung
Einzelbild herunterladen

21

welchen du wollteſt. Allein du hörſt nicht auf die Worte deines Vaters und ſiehſt nicht die Thränen deiner Mutter.

Ach wie könnten wir glücklich ſein, wie wollte ich meine körperlichen Schmerzen und meine Unbeholfenheit geduldig ertragen, wenn du dich nur fügen wollteſt, lieber Harald.

Harald entgegnete, indem er ſich aus ſeiner bisherigen Stellung erhob:Das Jagen an ſich kann doch keine Sünde ſein, liebe Mutter, ſonſt hätte Gott hier Korn⸗ felder wachſen laſſen und die Grönländer nicht allein auf den Erwerb der Jagd hingewieſen, dann würde auch gewiß nicht der Vater die geſchickteſten und eifrigſten Jäger loben und die läſſigen zu größerem Fleiß und zu größerer Ausdauer antreiben. Warum iſt nun bei mir unrecht, was bei Anderen recht iſt, warum tadelt der Vater an mir, was er bei Anderen lobt?

Willſt du nichts weiter werden, als ein Seehunde fangender Grönländer? fragte Frau Lymann.

Warum nicht? meinte Harald.Seehundfangen iſt viel ſchöner als lateiniſch Lernen.

Das iſt eines deiner unbedachtſamen Worte, Harald, ſagte die Mutter in einer gewiſſen Entrüſtung. Du ſelbſt wäreſt der unglückſeligſte Menſch, wenn du beim Worte genommen würdeſt und zu einem halbwilden Eskimo⸗ leben verdammt würdeſt. Gott weiſt jedem Menſchen ſeine Stellung auf Erden an. Du biſt durch deine Geburt als Deutſcher und Chriſt und durch deine Gaben und die