— 6—
fen mußte. Wohin er gekommen, iſt mir nie bekannt worden. Einer ſeiner Bekannten, der eine kleine Stelle in einem Buͤreau verwaltete, gab mir Aufenthalt, Nahrung und Kleider zur Nothdurft, doch was man Erziehung nennt, war von dem Manne nicht zu er⸗ warten, der, ein vormaliger Offiziant im Hauſe der abweſenden Koͤnigsfamilie, ſich waͤhrend der Graͤuel der Schreckensperiode nur dadurch gerettet, daß er den Namen eines verſtorbenen Kopfabſchneiders angenom⸗ men hatte. O Herr, die ungeheuern Frevel, von de⸗ nen dieſer Mann mir erzaͤhlte, mußten wohl meine Jugend mit der Verachtung erfuͤllen, die mir noch im⸗ mer fuͤr ein Leben beiwohnt, das man zur damaligen Zeit ſchaͤndlich genug war, durch die heilloſeſten Bu⸗ benſtuͤcke gleichjam dem Tode abzukaufen, welcher ſein Blutpanier allenthalben aufpflanzte. Mein fruͤher Wi⸗ derwille gegen dieſes Daſeyn gab auch Veranlaſſung, daß ich die Unwiſſenheit allem Wiſſen vorzog. Es duͤnkte mich die himmelſchreiendſte Haͤrte, daß die Natur den Menſchen, den ſie ganz ohne ſein Verlangen aus dem Nichts heraus in das beduͤrfnißvolle Leben ſtoße, daß die ihn nicht einmal mit ſo viel einfacher Nahrung fort⸗ dauernd verſorgt, als er zu ſeiner Erhaltung bedarf.
Erinnerungen an ſchreckliche Ereigniſſe, wofuͤr das


