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E. Chr. v. Kleist's Gedichte
Entstehung
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Und eilte zu der Mau'r, wo alles noch

Mit Loͤwenmuthe ſtritt, obgleich die Zahl

Der Todten ſeines Volks ſchon groͤßer war,

Als der noch Lebenden. Er kam nicht hin;

Ein Pfeil flog uͤber die zerfallne Burg,

Und fuhr dem Helden... Ach! erſchreckliche

Erinnrung! Muͤſſen auch des Todes Raub

Diejen'gen ſeyn, die zu der Erde Gluͤck,

Zu leben ewiglich verdieneten!...

Fuhr in den Ruͤcken ihm und durch die Bruſt.

Er fiel auf's Angeſicht. Gefuͤhllos lag

Er lange ſo; erholte dennoch ſich,

Und wollte ſich erheben; aber Kraft

Gebrach ihm. Paches kam, und fand den

Freund

Im Blute ſchwimmend. Ach! wer kann den Schmerz

Des Redlichen beſchreiben! Ohne ſich

Zu regen, ſtand er. So erſtarrt die Flur

Im Winter, wenn der rauhe Nordwind ſtuͤrmt;

Sein Athem ruͤhrt ſie an, und ſie iſt Stein.

Ach! ſagte Ciſſides, zieh doch den Pfeil

Mir aus dem Ruͤcken, Freund, und kehr mich um!

Der Tod fuͤr's Vaterland wird mir nicht ſchwer;

Die Art des Todes nur wird mir's. Wer ſo

Mich findet, kann vermuthen, als haͤtt; ich