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E. Chr. v. Kleist's Gedichte
Entstehung
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auf ſeinem Ritterguthe unabhaͤngig lebend, hatte ihn zu einer Laufbahn im Civilſtande beſtimmt, und ließ ihn bis in ſein neuntes Jahr durch Hauslehrer unterrichten. Aber dem feurigen, kerngeſunden Knaben, ging das Leben in freier Luft und in ruͤſtigem, arbeit⸗ oder kampfaͤhnlichen Spiel uͤber Alles, obgleich er pflichtgemaͤß ſeine Lern⸗ ſtunden abwartete, wie denn eine ſtrenge Ge⸗ wiſſenhaftigkeit in Beobachtung jeder uͤber⸗ nommenen Pflicht ihn durch alle Verhaͤlt⸗ niſſe ſeines Lebens begleitet hat.

So verhielt er ſich auch auf der Jeſui⸗ terſchule zu Cron in Großpolen, wohin er in ſeinem zehnten Jahre geſandt ward; ſo auch auf dem Gymnaſium zu Danzig, welches er in ſeinem vierzehnten Jahre betrat. Dazu verlieh ihm eine hohe, aufwachſende Geſtalt und froͤhlich ſtarker Muth hinlaͤngliches Ue⸗ bergewicht bei ſeinen Genoſſen, um all die luſtigen, aber immer harmloſen Neckereien auszufuͤhren, die ihn durch den kecken Geiſt hinzogen. Vermuthlich hat er ſchon in die⸗ ſer Zeit gedichtet.

Kleiſt bezog im Jahr 1731 die Univerſi⸗ taͤt in Koͤnigsberg. Er beſchraͤnkte ſich nicht auf das von ihm erkorne Studium der Ju⸗ risprudenz allein, mit ſo wackerm Fleiß er dieſem auch oblag. Er drang nach Kraͤften ein in die Tiefen der Philoſophie, Phyſit