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in demſelben Grade, wie er früher gerührt ge⸗ weſen, das ihm als Schwäche erſchien, beſchwerte er ſich laut, daß man ihn auf eine empö⸗ rende Weiſe behandelt hatte.
„Können Sie etwas anders als Ungerech⸗ tigkeit und Undankbarkeit von den Menſchen erwarten?“ entgegnete Herr de Lehon, ein ſehr ausgezeichneter Gelehrter, der aber, durch die unglückliche Wahl des Gegenſtandes, den er poetiſch bearbeitet hatte, kurze Zeit vor dieſer Unterredung auf das unbarmherzigſte ausgeziſcht worden war.„Was bildet oder vernichtet den Ruhm? wer ertheilt Tadel oder Ehre? Die öffentliche Meinung! Thor, wer an ihre Ausſprüche glaubt! ſie ſind beinahe im⸗ mer das Ergebniß kleiner Ränke und noch klein⸗ licherer Leidenſchaften; ſie verkennen, ſie belei⸗ digen den höheren Sinn. Nein! meinetwegen! habe ich nicht auf immer der Schriftſtellerei entſagt? O! meine theure Amelie!“ flüſterte er, ſich gegen ſeine junge Gattin hinneigend;
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