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Rath Krespel / von E.T.W. Hoffmann
Entstehung
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mit der Dreiſtigkeit, die die Begeiſterung mir ge⸗ geben, erklärte ich geradezu heraus: erſt heute hätte ich Muſik gehört!Il bon fanciulo, lispelte Lau⸗ retta recht ſüß und lieblich. Als ich nach Hauſe gekommen, befiel mich eine Art von Wuth, ich er⸗ griff alle Tokkaten und Fugen, die ich zuſammen⸗ gedrechſelt, ja ſogar fünf und vierzig Variationen über ein kanoniſches Thema, die der Organiſt kom⸗ ponirt und mir verehrt in ſauberer Abſchrift, warf alles ins Feuer und lachte recht hämiſch, als der doppelte Contrapunkt ſo dampfte und kniſterte. Nun ſetzte ich mich ans Inſtrument und verſuchte erſt die Töne der Chitarra nachzuahmen, dann, die Me⸗ lodien der Schweſtern nachzuſpielen, ja endlich nach⸗ zuſingen.Man qguäcke nicht ſo ſchrecklich und lege ſich fein auf's Ohr, rief um Mitternacht endlich der Onkel, löſchte mir beide Lichter aus und kehrte in ſein Schlafzimmer zurück, aus dem er hervor⸗ getreten. Ich mußte gehorchen. Der Traum brachte mir das Geheimniß des Geſanges ſo glaubte ich denn ich ſang vortrefflichsento amica speme. Den andern Morgen hatte der Onkel alles, was nur geigen und pfeifen konnte, zur Probe be⸗ ſtellt. Stolz wollte er zeigen, wie herrlich unſere Muſik beſchaffen, es lief indeſſen höchſt unglücklich ab. Lauretta legte eine große Szene auf, aber

gleich im Recitativ tobten ſie alle durcheinander,

leiner hatte eine Idee vom Akkompagniren. Lau⸗