26 Jammer. Der Rath ſtand wie erſtarrt mit über⸗ einandergeſchlagenen Armen neben mir. Ich zeigte nach dem Cypreſſenkranz.„Als ſie ſtarb,“ ſprach der Rath ſehr dumpf und feierlicher:„Als ſie ſtarb, zerbrach mit dröhnenden Krachen der Stimmſtock in jener Geige, und der Reſonanzboden riß ſich aus⸗ einander. Die Getreue konnte nur mit ihr, in ihr leben, ſie liegt bei ihr im Sarge, ſie iſt mit ihr begraben worden.“— Tief erſchüttert ſank ich in einen Stuhl; aber der Rath fing an mit rauhem Ton ein luſtig Lied zu ſingen, und es war recht graulich anzuſehen, wie er auf einem Fuße dazu herumſprang, und der Flor(er hatte den Hut auf dem Kopfe) im Zimmer und an den aufgehängten Violinen herumſtrich; ja ich konute mich eines über⸗ lauten Schreies nicht erwehren, als der Flor bei einer raſchen Wendung des Rathes über mich her⸗ fuhr; es war mir, als wollte er mich verhüllt hinab⸗ ziehen in den ſchwarzen entſetzlichen Abgrund des Wahnſinns. Da ſtand der Rath plötlich ſtille, und ſprach in ſeinem ſingenden Ton:„Söhnchen!— Söhnchen!— warum ſchreiſt Du ſo? haſt du den Todtenengel geſchaut?— das geht allemal der Ce⸗ remonie vorher!“— Nun trat er in die Mitte des Zimmers, riß den Violinbogen aus dem Gehenke, hielt ihn mit beiden Händen über den Kopf, und zerbrach ihn, daß er in viele Stücke zerſplitterte. Laut lachend rief Krespel:„Nun iſt der Stab über
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