Druckschrift 
Rath Krespel / von E.T.W. Hoffmann
Entstehung
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24 ſich meine Beklemmung. Mir war es bald, als hörte ich die Akkorde eines feierlichen Chorals durch die Lüfte ſchweben die Töne wurden deutlicher, ich unterſchied Männerſtimmen, die einen geiſtlichen Choral abſangen.Was iſt das? was iſt das? vief ich, indem es wie ein glühender Dolch durch meine Bruſt fuhr!Sehen Sie denn nicht, erwiederte der neben mir fahrende Poſtillion,ſehen Sie es denn nicht? da drüben auf dem Kirchhof begraben ſie einen! In der That befanden wir uns in der Nähe des Kirchhofes, und ich ſah einen Kreis ſchwarzgekleideter Menſchen um ein Grab ſte⸗ hen, das man zuzuſchütten im Begriff ſtand. Die Thränen ſtürzten mir aus den Augen, es war als begrübe man dort alle Luſt, alle Freude des Lebens. Raſch vorwärts von dem Hügel herabgeſchritten, konnte ich nicht mehr in den Kirchhof hineinſehen, der Choral ſchwieg, und ich bemerkte unfern des Thores ſchwarzgekleidete Menſchen, die von dem Begräbniß zurückkamen. Der Profeſſor mit ſeiner Nichte am Arm, beide in tiefer Trauer, ſchritten, dicht bei mir vorüber, ohne mich zu bemerken. Die Nichte hatte das Tuch vor die Augen gedrückt und ſchluchzte heftig. Es war mir unmöglich in die Stadt hineinzugehen, ich ſchickte meinen Bedienten mit dem Wagen nach dem gewohnten Gaſthofe, und lief in die mir wohl bekannte Gegend hinaus, um ſo eine Stimmung los zu werden, die vielleicht nu