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Ihres wahren Freundes, wenn Sie ihn etwa nie mehr— verſtehen Sie wohl?— nie mehr zu Hauſe antreffen ſollten?“— Damit umarmte er mich, und drehte ſich, mich feſthaltend, langſam mit mir zur Thüre heraus, ſo daß ich Antonien mit keinem Blick mehr anſchauen konnte.— Ihr geſteht, daß es in meiner Lage nicht möglich war, den Rath zu prügeln, welches doch eigentlich hätte geſchehen müſ⸗ ſen. Der Profeſſor lachte mich ſehr aus, und ver⸗ ſicherte, daß ich es nun mit dem Rath auf immer verdorben hätte. Den ſchmachtenden ans Fenſter hinaufblickenden Amoroſo, den verliebten Abentheu⸗ rer zu machen, dazu war Antoͤnie mir zu werth, ich möchte ſagen zu heilig. Im Innerſten zerriſſen, verließ ich H— aber wie es zu gehen pflegt, die grellen Farben des Phantaſiegebildes verblaßten, und Antonie— ja ſelbſt Antonien's Geſang, den ich nie gehört, leuchtete oft in mein tiefſtes Gemüth hinein, wie ein ſanfter tröſtender Roſenſchimmer.
Nach zwei Jahren war ich ſchon in B ange⸗ ſtellt, als ich eine Reiſe nach dem ſüdlichen Deutſch⸗ land unternahm. Im duftigen Abendroth erhoben ſich die Thürme von H—; ſo wie ich näher und näher kam, ergriff mich ein unbeſchreibliches Gefühl der peinlichſten Angſt; wie eine ſchwere Laſt hatte es ſich über meine Bruſt gelegt, ich konnte nicht athmen; ich mußte hinaus aus dem Wagen ins Freie. Aber bis zum phyſiſchen Schmerz ſteigerte
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