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Rath Krespel / von E.T.W. Hoffmann
Entstehung
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ich ſchnell und heftig.Das iſt nun, fuhr der Profeſſor fort,eine Sache, die den Rath mich könnte in höchſtem Grade verabſcheuen laſſen, wenn ich nicht überzeugt wäre, daß bei dem im tiefſten Grunde bis zur Weichlichkeit gutmüthigen Charak⸗ ter des Rathes es damit eine beſondere geheime Bewandkuiß haben müſſe. Als vor mehreren Jah⸗ ren der Rath hieher nach H kam, lebte er ana⸗ choretiſch mit einer alten Haushälterin in einem finſtern Hauſe auf der Straße. Bald erregte er durch ſeine Sonderbarkeit die Neugierde der Nachbarn, und ſogleich, als er dies merkte, ſuchte und fand er Bekanntſchaften. Eben wie in meinem Hauſe gewöhnte man ſich überall ſo an ihn, daß er unentbehrlich wurde. Seines rauhen Aeußern un⸗ erachtet, liebten ihn ſogar die Kinder, ohne ihn zu betäſtigen, denn trotz aller Freundlichkeit behielten ſie eine gewiſſe ſcheue Ehrfurcht, die ihn vor allem Zudringlichen ſchützte. Wie er die Kinder durch allerlei Künſte zu gewinnen weiß, haben Sie heute geſehen. Wir hielten ihn alle für einen Hageſtolz, und er widerſprach dem nicht. Nachdem er ſich ei⸗ nige Zeit hier aufgehalten, reiſte er ab, niemand wußte wohin, und kam nach einigen Monaten wie⸗ der. Den andern Abend nach ſeiner Rückkehr wa⸗ ren Krespels Fenſter ungewöhnlich erleuchtet, ſchon dies machte die Nachbarn aufmerkſam, bald vernahm man aber die ganz wunderherrliche Stimme eines