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„O Herr!“ flehte er leiſe.„Sei uns gnädig und höre mich. Laß meiner Tochter nicht ihr ſchreckliches Vor⸗ haben ausführen. Du kannſt ja ſchon ein Wunder gethan haben. Ich will auch von nun an nicht mehr auf die Stimme des Eigennutzes hören, ſondern in Demuth und zufrieden mit dem Looſe, das Du mir beſtimmt haſt, leben.“
So ungefähr lauteten die Worte, die er im Stillen zum Himmel richtete. In ſolchen Stunden der Bangig⸗ keit erwacht das unterdrückte religiöſe Bewußtſein und der ſchwache Menſch ſucht im Gefühle ſeiner Ohnmacht die Hülfe des höheren Weſens oft durch ein Gelübde, durch ein zu bringendes Opfer zu gewinnen, weil er nach irdiſchem Maßſtabe die Gottheit dadurch zu verſöhnen oder ſeinen Wünſchen geneigter zu machen glaubt. So wirft während eines wüthenden Sturmes der Schiffer oft die theuerſten Güter in das Meer, um ſein Leben zu retten. Spottet nicht über dieſen Aberglauben, der tief in unſerer Natur begründet liegt; er befreit uns oft von dem egoiſtiſchen Hänger an den gemeinen Gütern des Lebens und nähert uns wieder dem Höheren, mit dem wir auf ſolche Weiſe in unmittelbare Berührung treten. Der Kaſſenbote that das Gelübde, wenn er ſeine Tochter noch am Leben fände, auf die Erbſchaft zu verzichten, oder vielmehr das Geld, welches ihm dadurch zufallen würde, größten Theils zu wohlthäti⸗ gen Zwecken zu verwenden. Wunderbar fühlte er ſich


