Teil eines Werkes 
3. (1858) Die Erben / von Max Ring
Entstehung
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Schmerz uns und ihnen erſparen, manche Thräne trocknen, manche bittre Stunde von ihnen abwehren. Warum muß erſt der Tod uns in ſeine harte Schule nehmen, um uns Liebe und Menſchlichkeit zu lehren? Mit zerriſſenem Herzen eilte der unglückliche Vater jetzt denſelben Weg, den die Liebenden vor ihm gegangen waren; nun klagte und jammerte er über ſeine Härte gegen Hannchen, über die blinde Nachgiebigkeit, mit denen er den Plänen ſeiner Frau gefolgt war. Bald rang er die Hände, bald raufte er ſich das graue Haar, daß die Vorübergehenden ihm er⸗ ſchrocken und mitleidig nachſahen. Wer ihm begegnete und in das bleiche, entſetzte Geſicht ſchaute, dem mußte ſich die Ueberzeugung aufdrängen, daß er einem Unglück⸗ lichen gegenüberſtand. Aber die Leute in einer großen Stadt haben mehr zu thun, als auf einander zu achten. Stumm und theilnahmlos gehen ſie an einander vorüber und Keiner kümmert ſich um den Verluſt des Andern. Auch nahm ſich der Kaſſenbote nach Kräften zuſammen, wenn er fremden Menſchen begegnete und bekämpfte ſeinen Schmerz, um nicht Aufſehen zu erregen; denn er wollte nicht, daß die Sache ruchbar würde. Es lag ihm Alles daran, den gewaltſamen Tod ſeines Kindes zu verheim⸗ lichen, deshalb hatte er es auch vermieden, die Hülfe der Polizei in Anſpruch zu nehmen, wie er anfänglich Willens war. Seine Tochter eine Selbſtmörderin: das durfte