Teil eines Werkes 
3. (1858) Die Erben / von Max Ring
Entstehung
Einzelbild herunterladen

31

„Wer weiß, vielleicht ſchickt uns Gott einmal unver⸗ muthet ein Paar tauſend Thälerchen, dann kannſt Du Dich pflegen.“

„Wie Du nur ſo redeſt. Sollte man nicht denken, daß Du auf eine reiche Erbſchaft hoffſt? Wir haben keinen Vetter in Amerika; die kommen nur noch in den närri⸗ ſchen Geſchichtsbüchern vor.“.

„Wer weiß, was geſchieht,“ entgegnete ſie mit einem bezüglichen Lächeln.„Es braucht darum keine Erbſchaft zu ſein.“

Mehr zu ſagen hütete ſich aber Frau Bauer, weil ſie ihrem Manne nicht ganz traute; er war ſehr ökonomiſch und ſparſam; wahrſcheinlich hätte er es nicht gelitten, daß ſie in die Lotterie ſetzte. Sie wollte ihn mit den zehn⸗ tauſend Thalern, welche ſie ganz gewiß zu gewinnen hoffte, lieber übevraſchen. Deshalb ließ ſie auch jetzt das Ge⸗ ſpräch fallen und machte ſich mit dem Abendbrod zu thun. Der Kaſſenbote wandte ſich an die Kinder, die bei der Arbeit ſaßen und ſtill zuhörten. Es war heute Sonnabend und da pflegte er die Einnahmen der Woche regelmäßig nachzurechnen. Jedes Kind mußte dann das Geld ab⸗ liefern, was es im Laufe der Woche verdient hatte. Es kam da ein ganz artiges Sümmchen zuſammen. Der Aelteſte hatte als Lackirer einen Thaler und funfzehn Sil⸗ bergroſchen erarbeitet und die beiden Sänger zuſammen