Teil eines Werkes 
3. (1858) Die Erben / von Max Ring
Entstehung
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richt genommen, das blieb ein noch unaufgelöſtes Räthſel. Er hatte ſich jung verheirathet und ein tüchtiges Weib be⸗ kommen, das die ganze Wirthſchaft zuſammenhielt und außerdem noch durch ihre Arbeit Geld erwarb; ſie wuſch, und plättete die feine Wäſche für vornehme Herrſchaften und nahm dafür monatlich ein artiges Sümmchen ein. Bei der Arbeit half ihr das achtzehnjährige Hannchen, gewiß das netteſte Mädchen in der ganzen Kaiſerſtraße. Es war eine wahre Freude ſie anzuſehn, wenn ſie beim Waſchfaß mit ihren weißen und doch ſo kräftigen Armen ſtand und die rothen Wangen doppelt ſchön vom Fleiße glühten. Wenn die Alte von ihrer Tochter ſprach, ſo ging ihr das Herz auf und ſie konnte des Lobens und Preiſens kein Ende finden; das geht zwar manchen Eltern ſo, aber nur wenige haben ein ſo gutes Recht dazu. Ueberhaupt waren die ſämmtlichen ſechs Kinder ein wahrer Segen für das Haus, indem ſie frühzeitig ſchon ihr Brod verdienen halfen, die Mädchen nähten, ſtickten und ſtrickten, die Jungen hatten allerlei Talente, welche ſie zu benutzen verſtanden; der Aelteſte hatte nebenbei das Lackiren gelernt und war für eine große Fabrik beſchäftigt, die jüngeren beſaßen ſchöne Stimmen und ſangen bei allen muſikaliſchen Aufführungen mit, wofür ſie jedesmal zehn Groſchen bekamen; der Wil⸗ helm hatte ſogar eine Anſtellung bei der königlichen Oper als Chorſänger erhalten und bezog ſchon einen monatlichen