Erſtes Capitel.
Mitten unter den glänzenden, ſtrahlenden, koketten Häuſern der Hauptſtadt giebt es einzelne Gebäude, welche ſchwarz, düſter, veraltet, zu ihrer Umgebung nicht zu paſſen ſcheinen und mit derſelben im ſchreienden Kontraſte ſtehen. Sie gleichen finſtern, hypochondriſchen Greiſen, unter der heitern Schaar lachender Jünglinge. Unheimlich ſtehen ſie da mit ihren dunklen Mauern, von denen Regen und Wind die Farbe längſt abgewaſchen und den Ueberwurf abgebröckelt hat, mit ihren blinden Fenſtern, engen und finſtern Treppen, mit dem ſpitzen Giebeldach und den wüſten Stuben. Sie verſchmähen es, die Mode des Tages mitzumachen und haben ſich entſchieden vor jeder Neuerung mit hartnäckigem Vorurtheil zu wahren gewußt. Dennoch ziehen ſie die Aufmerkſamkeit weit mehr auf ſich, als ihre modernen Geſchwiſter; man traut ihnen intereſſantere Er⸗ lebniſſe zu, als den neuen Alltagsgeſichtern, man vermuthet hinter den alten Mauern wunderliche Begebenheiten,
1858. XVI. Neue Stadtgeſchichten. III.


